Erlanger Theaterpreis 2010/11

Linda Foerster

Foto: XXX

Laudatio anlässlich der Verleihung des Theaterpreises 2011 an Linda Foerster

Sehr geehrte Damen und Herren, und da aus der Presse schon alle Bescheid wissen, liebe Preisträgerin!

Wie Sie eben gehört haben, war es für das Theater eine sehr anstrengende, für uns Zuschauer aber eine sehr abwechslungsreiche Spielzeit. Diese Vielfalt in der Spielzeit schlug sich auch in der Jurysitzung nieder.  Fast jede Produktion hatte ihre Anhänger, vor allem aber wurden Einzelleistungen für den Preis vorgeschlagen. Natürlich wurde diskutiert, aber auch in diesem Jahr konnten wir uns recht schnell einigen. Der diesjährige Theaterpreis geht an Linda Foerster.

Linda Foerster besticht durch ihre intensive körperbetonte Darstellungskraft, ihre ausdrucksstarke Stimme und ihre große Wandlungsfähigkeit, die sie in den unterschiedlichsten Rollen in ihrer Zeit als Mitglied des Ensembles Theater Erlangen bewies.

Laut Wikipedia wurde Linda Foerster 1984 in Gütersloh geboren und machte die ersten schauspielerischen Erfahrungen bereits während ihrer Schulzeit. Nach dem Abitur ging es dann pfeilgerade und blitzschnell weiter. Schauspielschule und nebenher Engagement als Gast am Altonaer Theater in Hamburg. 2006 schließt sie die Schauspielschule ab, 2007 beginnt sie als festes Ensemblemitglied in Braunschweig, seit 2009 ist sie in Erlangen. Hier in Erlangen überzeugte Linda Foerster bereits mit ihrer ersten Rolle zum Auftakt der Spielzeit 2009/10 in dem eher an Quentin Tarantino als Arthur Penn erinnerndem „Clyde und Bonnie“. Schrill, laut, köperbetont, energiegeladen.

Da zeigte sich schon, was dem regelmäßigen Theatergänger später immer deutlicher wurde. Diese sehr spezielle „Linda Foerster Präsenz“ auf der Bühne und ihre große Fähigkeit, sich in ihre Figuren zu verwandeln oder wohl besser: diese Figuren sich anzuverwandeln. Linda Foerster spielte nicht Bonnie, sie war die durchgeknallte Bonnie. Da konnte man sich noch fragen, ob ihr dieser wilde Part nicht auf den Leib geschneidert war. Aber nein – wie sich herausstellte und wohl jedem spätestens seit der fast stummen Sarah im „Theatermachen“ klar ist, ist diese sehr körperbetonte Eroberung und Durchdringung der Rollen eine weitere Linda Foerster Spezialität.

Denn dann war sie auch die vernünftige Lizzie in „Das Ende vom Anfang“  oder die pragmatische Bolette, die in der „Frau vom Meer“ kühl den ungeliebten Mann akzeptiert, um ihrer Umgebung zu entkommen. Ganz im Gegensatz wieder zur unvernünftigen Helena, als die Linda Foerster im „Sommernachtstraum“ hartnäckig ihrem Ex hinterherläuft und ihr das trotzige Philosophieren über die Liebe in der Premiere Szenenapplaus bescherte.  

Nach der „Frau vom Meer“ war übrigens nicht nur klar, dass Linda Foerster auch „pragmatisch“, auch still kann, sondern auch, dass ihre Präsenz nicht nur die kleine Garage füllt. Auch im großen Markgrafentheater „kommt sie rüber“, strahlt ihre Intensität und Energie bis in den dritten Rang. In der „Frau vom Meer“ machte Linda Foerster auch eindeutig klar, wie sehr sie ihre Stimme beherrscht. Während ihr Lyngstrand erklärt, wie er sich die Ehe vorstellt, steht Bolette regungslos und reagiert nur mit „aha“. Aber in diesem „aha“ lag sowohl der Frust einer jungen Frau des 19., wie die Belustigung einer jungen Frau des 21. Jahrhunderts über eine derartige Zumutung. Und ein bisschen von der die beiden verbindenden Nachdenklichkeit.

Da gelang es ihr, eine subtile Verbindung zwischen den Jahrhunderten zu schlagen, die jede platte Offensichtlichkeit vermied – zu der so ein Versuch,  jemanden aus längst vergangen Tagen anbiedernd zum „Heutigen“ zu machen ja oft gerät. Vom Premierenpublikum wurde auch dies mit Szenenapplaus honoriert. Das dies „aha“ so wunderschön gelang war kein Zufall, sondern Können. Denn vorher schon in „Virginia Woolf“ deutet sie als verdruckste Putzi mit der Stimme die Möglichkeit des Umschlagens ins Exaltierte an. Und auch Helena im „Sommernachtstraum“ ist in ihren Erläuterungen zur Liebe nicht nur trotzig. Da lässt Linda Foerster eine gute Portion Selbstbewusstsein mitschwingen.

Ich hoffe, sie darf auch mal „ach“ sagen.

„Darstellerisch herausragend“ schreibt der Fränkisch Tag war sie in „Kohlhaas 05/10“, einer Tour de Force der Sprache, Mimik und Gestik in der Linda Foerster zwischen drei Frauen- und noch mehr Männerrollen in rasantem Tempo wechselte. Hochkonzentrierter Einsatz der Bewegungen auch als verstummte, etwas linkische, drangsalierte Sarah, Bruscons Tochter im „Theatermacher“. Poetisch war sie in „Die Reise einer Wolke“ und im Gefühlschaos der ersten Liebe bezaubernd als verletzlicher Teenager Caro im „Mutwerk“.

Lassen Sie mich noch mal auf „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ zurückkommen. Herausragend war Linda Foerster auch als nüchtern naive und betrunken hysterische Putzi. Aber vor allem war es für mich wohl das Stück, bei dem mir noch etwas anderes, ich glaube, sehr Wichtiges und sehr Linda Foerster spezifisches in den Sinn kam, was sich danach immer wieder bestätigt hat:

Es ist egal in welcher Rolle – hat man sie auf der Bühne gesehen, ist man überzeugt, dass  Linda Foerster die Idealbesetzung ist. Ein Zitat noch aus dem Fränkischen Tag vom 17. /18. April 2010: „Wie immer eine Wucht! – Linda Foerster.“

Für die Jury: Sylke Willenbrink
02. Oktober 2011