Erlanger Theaterpreis 2014/15
Robert Naumann

Laudatio anlässlich der Verleihung des Theaterpreises 2015 an Robert Naumann
Michelle: Sehr verehrtes Publikum, wir freuen uns wirklich sehr, Sie heute Abend anlässlich der Theaterpreisverleihung hier begrüßen zu dürfen. Zunächst ein großer Dank an den Förderverein, dass wir als junge Mitglieder der Jury so eine tolle Erfahrung machen zu dürfen.
Julia: Kommen wir aber gleich zu der Person, um die sich heute der Abend drehen soll und dem die Aufmerksamkeit des Abends alleine gehören soll – dem Preisträger Robert Naumann. Mit den Bildern im Hintergrund und mit unserer Vorstellung versuchen wir zwar, ihn gut in Szene zu setzen, aber das hat er ja in den letzten Jahren auf der Bühne schon selber ganz gut hingekriegt.
Michelle: Sehr bemerkenswert so einen Preis für’s Theaterspielen verliehen zu bekommen und begonnen hat es alles… vor einer Weile… mit seiner Geburt selbstverständlich in Halle an der Saale vor nichtmehr so ganz 29 Jahren. Studiert hat er dann an der Hochschule für Musik & Darstellende Kunst in Frankfurt am Main, wo er währenddessen auch als Sprecher beim Hörfunk gearbeitet hat. Sein Schauspieldebüt gab er als Harold im Stück „Harold und Maude“ an der Komödie in Düsseldorf. Festes Ensemblemitglied in Erlangen ist er seit 2009 gewesen und seitdem hat er natürlich in so einigen Stücken mitgespielt, von denen wir allerdings nur auf ein paar eingehen werden können.
Julia: Preise verliehen zu bekommen, ist für Robert ja auch nichts Neues. An den Bayerischen Theatertagen 2012 in Augsburg hat er gleich doppelt abgeräumt: „Bester Nachwuchsschauspieler“ UND „Bester Schauspieler“ für die Rollen Lucky und Titus. 14 Jahre jung, vegetarischer Sohn eines Metzgers, der für ihn keine Zeit hat, verlassen von seiner Freundin, gebunden an einen Psychologen – das ist der Jugendliche Titus. Benannt nach dem Lieblingsschwein seines Vaters. Das Beeindruckende an Roberts Darstellung war, dass man ihm die Rolle einfach… abgekauft hat – Ja, ich weiß, was Sie jetzt denken: Ist doch eine Grundvoraussetzung eines jeden Schauspielers, die Rolle glaubhaft rüberzubringen, aber Sie müssen sich mal vor Augen halten, dass er im Alter von Mitte zwanzig vom Publikum als vierzehnjähriger pubertierender Junge angesehen wurde. Schon krass, oder ?
Michelle: Naja, aber er hat seinen jugendlichen Charme auch privat… hab ich zumindest gehört, aber da ist ja tatsächlich auch was dran.
Julia: Und zu der Herausforderung kommt auch noch die Körperbeherrschung, denn Robert musste die ganze Vorstellung auf schiefem Untergrund spielen und sowohl die Dramatik als auch die Balance auf der Bühne aufrechterhalten.
Die ebenfalls ausgezeichnete Rolle „Lucky“ in „Warten auf Godot“ unterscheidet sich von Titus aber in so vielen Aspekten. Schweigsam, Sklave, folgsames Haustier – so könnte man ihn wohl bezeichnen. Robert gibt uns Einblicke in eine verzweifelte, traurige Persönlichkeit, die ausschließlich von Fremdbestimmung geprägt ist und das auf eine wahnsinnig spürbare Art und Weise.
Doch nicht nur für die preisgekrönten Rollen bekam er tosenden Applaus, sondern unter anderem auch in der Rolle des – wenn ich zitieren darf-“größten Schisshasen des Universums“ alias Angstmän. Ich könnte da zwar jetzt noch einiges zu sagen, aber ich glaube ein Zitat eines jungen Zuschauers fasst die schauspielerische Leistung in dem Stück sehr akkurat zusammen: *räusper* …*spannungsaufbau* „Boah, das war soooo cool!!!“

Michelle: Sowohl in Einmannstücken, bei denen es einiges an Überzeugungskraft braucht, überzeugt Robert gerade mit seiner phänomenalen Bühnenpräsenz und schafft es, das Publikum das ganze Stück lang in seinen Bann zu ziehen. Als auch in großen Stücken, bei denen es umso mehr Talent braucht, um besonders hervorzustechen. Beispielsweise beim „Theatermacher“ als fast textlose Rolle des Ferrucio, heißt es im studentischen Kulturmagazin, ließe er aus kleinen Bewegungen humorvolle Anekdoten der sprachlosen Körperlichkeit entstehen.
Wow. Muss man erst einmal hinkriegen ge… und er hat’s hingekriegt! 😉
Er hat wirklich jede einzelne Rolle hervorragend gespielt.
Oder sollte man sagen „Er spielte die Rollen nicht nur, er war sie auch?“
Natürlich nicht.
Viel anspruchsvoller und ehrenwürdiger ist es nämlich, sich der Rolle soweit anzunehmen, dass man tatsächlich meinen könnte, da steht Lucky, das ist Titus und in Wirklichkeit… ist es gar nicht so! Es ist nämlich Robert Naumann, der mit Bravour in die verschiedensten Rollen schlüpfen kann und erst am Ende, während des Applauses erkennt man die wahre Person hinter der Rolle. Tja, … Robert ist ein Typ, der auch bei uns Jugendlichen extrem gut ankommt, wenn wir jetzt auf die letzte Spielzeit zurückkommen, in der wir auch tatsächlich beobachten durften, wie variabel doch seine Einsetzbarkeit ist… in der einen Rolle spielt er noch Gräck im Weißen Wolf als einer von drei Verbrechern des Nationalsozialistischen Untergrundes.
Und in der nächsten findet man ihn als ein flauschiges Reggae-Geschöpf Boooo mit 4 „O“ auf der Bühne wieder! Er ist in der Lage lustige Charaktere unterhaltsam sowohl für Erwachsene als auch für Kinder zu spielen, aber auch ernste Rollen wie im Weißen Wolf oder auch z.B. Dantons Tod extrem seriös rüberzubringen.

Julia: Kommen wir nun aber zu dem Stück-beziehungsweise-Meisterstück, das besonders wichtig für unsere Entscheidung gewesen ist. Michelle und ich gehen ja gerade noch zur Schule und wenn Sie sich an Ihre Schulzeit erinnern, fallen ihnen doch bestimmt mindestens eine Handvoll Lektüren ein, die Sie gelesen haben – also – lesen mussten. Ist bei uns zumindest so. Goethe, Schiller, Sie wissen schon. Das tut mir ja sehr leid für alle meine bisherigen Deutschlehrer, aber mich mit Texten aus den letzten paar Jahrhunderten zu befassen, gehört jetzt nicht zu meinen größten Hobbies. Deswegen bin ich auch bei Theatervorstellungen zu Werken des beispielsweise 18. und 19. Jahrhunderts… immer ein bisschen skeptisch, begeistern kann man mich da wohl eher schwer. Aber woher hätte ich denn wissen können, dass man das mit ’ner Melone, ein paar Pflanzen, einer Pistole und Robert Naumann ganz einfach hinbekommen könnte? Der Anfang des Stückes war ja schon der Knaller. Also, wirklich jetzt. Es hat wortwörtlich geknallt. In eine Melone. Hä, ja wie?! Ja! Robert nahm die Pistole, richtete sie auf die Melone und-Boom! So fing also die Geschichte des Werthers eigentlich mit seinem Ende an, mit seinem Selbstmord. Aber, kommt nur mir das so vor oder gab’s das in den früheren Werken dauernd? Man sieht jemanden, verliebt sich sofort und wenn es beim ersten Anlauf nicht gleich klappt, gibt es immer nur einen letzten Ausweg. Wenn es heutzutage auch so wäre, dass sich jeder sofort umbringt, der mal unglücklich verliebt ist… wären die Theater hier heute wahrscheinlich leer. Und genau deswegen fällt es uns, dem Publikum, ja anfangs so schwer, die Beweggründe für den Tod des jungen Werther wirklich nachvollziehen zu können. Scheint aber Robert auf der Bühne auch so gegangen zu sein, sonst hätte er uns zu Beginn wohl kaum so zum Lachen gebracht, bei einer Vorstellung zu einer eigentlich tragischen Liebesgeschichte. Aber je mehr Zeit vergeht, desto ernster wird die Stimmung auf der Bühne und in der Rolle des jungen Werther gibt uns Robert immer tiefere Einblicke in das Elend, die Verzweiflung des Protagonisten, dessen große Liebe, Lotte, bereits mit jemand anderem verlobt ist. Das Publikum lernt, diese Figur langsam ernst zu nehmen und das große Gelächter vom Anfang ist zum Ende hin völlig verstummt. Sein Tod kehrt am Schluss der Vorstellung zwar wieder, aber diesmal nicht mit einem lauten Knall, sondern in aller Ruhe mit den letzten Worten Werthers, vom Tonband abgespielt. In eineinhalb Stunden so einen starken Wandel zu durchleben und auch das Publikum durchleben zu lassen, in dem man nach und nach von der Oberfläche immer tiefer in die Materie eintaucht, das ist alles andere als einfach. Das ist eine beeindruckende Leistung und das hat unsere vollste Anerkennung verdient.
Michelle: Bei der Jurysitzung haben wir uns natürlich Gedanken gemacht, wir haben abgewogen, diskutiert… im Grunde, war die Entscheidung aber von Beginn an relativ klar. Das sag ich nicht, weil es vor allem in einer Laudatio ganz nett klingt, es war wirklich so.
Wir haben uns das auch schon genau überlegt, weil er sich ja schon einige Preise gekrallt hat, aber letztendlich, wenn er diesen Preis nun einmal verdient, dann soll er ihn gefälligst bekommen!!
Julia: Wir sind sehr froh, dass er bis zur letzten Spielzeit ein Teil des Ensembles war und wir ihn hier noch erleben durften. Aber auch wenn er jetzt am Theater in Ingolstadt ist, sind wir dankbar, dass er es schon einmal hierher geschafft hat und wir wünschen ihm auch für die Zukunft alles erdenklich Gute und ganz viel Erfolg in seiner noch folgenden Theaterlaufbahn!
Aber jetzt beglückwünschen wir ihn erstmal zum Erlanger Theaterpreis des Fördervereins 2015!
Für die Jury: Julia Plura, Michelle Stier
29. 10.2015
