Erlanger Theaterpreis 2022/2023
Alina Valerie Weinert und Sebastian Degenhardt

Laudatio
anlässlich der Verleihung des Theaterpreises an Alina Valerie Weinert und Sebastian Degenhardt für „Das NEINhorn“.
Laudatio zum Erlanger Theaterpreis 2023 für Alina Valerie Weinert und Sebastian Degenhardt
Eva-Marie: Liebe Preisträger*innen,
Miriam: Liebe Mitglieder des Theater Erlangen und des Fördervereins,
Sehr geehrte Gäste und Freunde der darstellenden Kunst,
liebe Kinder und die, die es mal waren.
Eva-Marie: Sehr geehrtes Publikum, auch wir beide freuen uns wirklich sehr, Sie heute Nachmittag hier anlässlich der Theaterpreisverleihung begrüßen zu dürfen.
Zunächst möchten wir beide einen großen Dank an den Förderverein vorausschicken.
Er bot uns als studentische Repräsentation die aufregende Möglichkeit, uns eine Spielzeit lang intensiv mit dem Programm des Hauses auseinanderzusetzen und schließlich in der Jury für den Theaterpreis mitwirken zu dürfen.
Miriam: Gerne haben wir uns (auf Vereinskosten, danke!) jede Inszenierung der Spielzeit interessiert angesehen und dabei auch intensiv über die Bedeutung von Preisen als Ehrung für Theaterkunst reflektiert.
Zu guter Letzt ist uns die Entscheidung beinahe ebenso schwer wie leicht gefallen, durften wir uns doch vom breiten Repertoire und den eindrucksvollen Fähigkeiten des Hauses und seiner Künstler*innen überzeugen.
Umso bemerkenswerter ist es, dass in der schlussendlichen Abstimmung zwischen allen Jurymitglieder*innen die Entscheidung für den diesjährigen Theaterpreis einstimmig ausfiel.
Dabei möchten wir nicht verschweigen, dass es in der Geschichte des Erlanger Theaterpreises das erste Mal ist, dass zwei Spieler*innen für eine Inszenierung ausgezeichnet werden, die vorrangig an die jüngsten Theaterbesucher*innen gerichtet ist.
Doch Kinder- und Jugendtheater kann ungemein befreiend und lehrreich sein, auch für diejenigen, die sich bei “3 Jahre und älter” eher dem “älter” oder “deutlich älter” zuordnen. Und darum geht es auch. Dass wir nicht vergessen, dass wir Schönes in Traumwelten, Zauberhaftes im Absurden und Freude am trotzig-spielerischen Blödsinn und gemeinsamen Sein empfinden dürfen.
Und manchmal hilft es, genau diese und gerade zeitgeschichtlich so notwendige Bewusstwerdung insbesondere am Theater erfahren zu können.
Deshalb ist es uns eine besondere Freude, den Erlanger Theaterpreis der Spielzeit 2022/23 an Alina Valerie Weinert und Sebastian Degenhardt zu verleihen. Mit der Inszenierung eures “NEINhorns” habt ihr zahlreichen Theaterbesucher*Innen ein herzliches Schmunzeln auf’s Gesicht gezaubert.
Wir waren hingerissen von eurer spürbaren Spielfreude, eurer ansteckenden Begeisterung und dem von euch produzierten erfrischend-simplen Theaterzauber.

Eva-Marie: Die beiden Spieler*innen haben Sie gerade als NEINhorn, als WASbär, NAhUND, KönigsDOCHter und als zwei mutige Abenteurer auf großer Fahrt kennengelernt.
Im Herzwald startet die Reise in eine wunderbare Welt voller Widerworte, Spaß und Adrenalin.
In dieser zucker-süßen Utopie, in der Flussreisen zu Portalen für zauberhafte Orte werden, sind alle Zuschauenden in der Theatergarage zu Zeug*innen der Entstehungsgeschichte des NEINhorns und seinen wunderbar ungleichen Freund*Innen geworden.
(Wasbär- Einlage!) Durch niemand geringeres verkörpert als Alina und Sebastian. (Wasbär) ”WAS?”
Also: Alina Valerie Weinert wurde 1995 in Freiburg im Breisgau geboren und sammelte erste Spielerfahrungen am Theater Freiburg sowie am Maxim Gorki Theater in Berlin.
Zudem arbeitete sie als Regieassistentin am Deutschen Theater Berlin und schloss ein Studium der Theaterwissenschaft und Philosophie an der Freien Universität ab, bevor sie ihre Schauspielausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst “Ernst Busch” absolvierte.
Dazwischen folgten immer wieder Welterkundungen und Reisen, auf der sie ja vielleicht in einem besagten Herzwald schonmal auf das NEINhorn gestoßen ist?
Seit der Spielzeit 2022/23 ist sie festes Ensemblemitglied am Theater Erlangen.
Sebastian Degenhardt wurde 1996 in Dresden geboren. Bevor er im Jahre 2018 sein Schauspielstudium an der Theaterakademie August Everding in München begann, wirkte er in der Spielzeit 2016/17 an der Dresdner Bürgerbühne mit.
Seit der Spielzeit 2022/23 ist auch er festes Ensemblemitglied am Theater Erlangen.
Seine musikalischen Kenntnisse durften wir unter anderem in seinem delikaten Ukulele-Spiel und seinen Gesangseinlagen erleben.
Miriam: In ihrer ersten eigenen Inszenierung am Haus hauchen die beiden – inzwischen nicht mehr ganz neuen – Ensemble-Neuzugänge nun Marc-Uwe Klings und Astrid Henns NEINhorn und seinen Freund*innen frisches Leben ein.
Dieses Kinderbuch bietet viel Raum für cleveren Witz über das Medium der Sprache.
Mit dem NEINhorn-Buch wurde die Vorlage für ein Stück gefunden, das nicht nur unterhaltsam ist, sondern auch zum Nachdenken anregt.
Dabei liegt die inhaltliche Stärke darin, sowohl Alt als auch Jung zu animieren, eigene Grenzen zu überschreiten oder gar neu zu setzen, zu seinen fantastischen und manchmal nervigen Eigenheiten zu stehen und Freude im Unbekannten zu suchen.
Es geht um das Albern sein, darum, gemeinsam herzhaft zu lachen bis die Tränen kommen, aber eben auch klipp und klar Eva-Marie „NEIN!” zu sagen und seine eigene Bockigkeit anzuerkennen. Es geht darum, nicht zu zögern, nachzufragen, – Eva-Marie „WAS?“ -wenn man etwas nicht verstanden hat – Eva-Marie „WAS?“ -, aber auch darum, zu seinen Überzeugungen und Wünschen zu stehen.
Oder auch nicht. Eva-Marie „DOCH!”. Und wenn alles nichts hilft, dann wischt man mit einem schulterzuckenden Eva-Marie „Na und!“ noch jede Lästigkeit zur Seite.
In dieser freudvollen und spritzigen Bearbeitung vermitteln sich durch die beiden Spielenden in Unterstützung durch alle Gewerke diese so lebensnahen Dynamiken in emotional anregender und liebevoller Atmosphäre.
Das spiegelt sich insbesondere auch in der bildlichen Ausgestaltung und dem herzlichen Umgang mit den Figuren wider.
Jede Aufführung hält – das können wir heute bezeugen – sowohl für geübte Theatergänger*innen als auch für solche, die es noch werden wollen, allerlei Schönes, Lustiges und Wundersames bereit.

Eva-Marie: Entstanden die Inszenierung im Rahmen der Es war einmal…-Reihe, der Erzähltheater-Reihe für das jüngste Publikum des Theater Erlangens.
Hier werden Erzähltexte für Kinder in einer Form auf die Bühne gebracht, die wir Theaterprofis *zwinkern* als Lecture Performance bezeichnen würden.
Die Besonderheit dieser Reihe zeigt sich im großen Vertrauen, dass das Haus den jeweilig ausgewählten Ensemblemitgliedern gibt, sich selbst mit eigenen Themen und Botschaften sowie deren kreativen Ausgestaltung im Spielplan ohne eine deklarierte Regie einzubringen.
So wurde für die 6 Ausgabe der Es war einmal…-Reihe im Laufe von 3 Wochen Probenarbeit eine gut 30 Minütige Aufführung erarbeitet.
Von der Auswahl des Textes bis zum letzten Schweifhaar des NEINhorns haben Sebastian und Alina mit tatkräftiger Unterstützung aller Gewerke – trotz der vielen anderen Aufgaben für die größeren Produktionen – die Geschichte rund um das bockige Tier in die Garage gebracht.
Miriam: Wie viele von uns wissen, sind im laufenden Theaterbetrieb die Ressourcen oft knapp, dennoch – und ganz ähnlich wie in der Geschichte des NEINhorns – kann vieles gelingen, wenn man es einfach anpackt. (Eva-Marie) Einfach mal machen.
So haben Alina und Sebastian durch strategische Improvisationsarbeit und ertragreiches Experimentieren mit alltäglichen Gegenständen und viel Liebe zum Detail dafür gesorgt, dass sich jede Szene ausbalanciert, pointiert, witzig, gefühlig und spontan erzählt.
Dank der Requisite waren die cleveren Bühnenbilder genauso pragmatisch wie kreativ gelöst und uns somit an verschiedene Orte entführt – sei es zu den zahlreichen zauberhaften Zypressen oder auf den super-sonnigen Sonnenhügel, auf dem der NAhUND sein Mittagsschläfchen hielt.
Insbesondere der mächtige Turm der totalen Tristesse, der nun zerbrochen in grauen Tafelschwämmen hinter uns liegt, beweist, wie mit den Mitteln des Theaters noch der einfachste Gegenstand magisch wird.
So erwuchs aus der Reduktion eine großartige Arbeit, die die Jury in allen Altersgruppen begeisterte.

Eva-Marie: Ohne die Unterstützung und Arbeit der Schneiderei und der Maske hätte es weder einen so wuscheligen NAhUND noch einen so drolligen WASbären gegeben.
Dank der Technikerin Daniela Schulze und der Regieassistenz, Valentina Eimer, konnte die Reise ins Land der Träume jedes Mal zuverlässig durchgeführt werden.
Und wenn die Dramaturgin Linda Best nicht die Lieblingsmusiker*innen ihrer Kids beigesteuert hätte, hätte es auch keinen Wachtmeister Klaus-Rap und kein Prinzessinnenlied gegeben.
Und das wäre wirklich sehr schade gewesen.
Theaterarbeit funktioniert nur im Team, und deshalb soll dieser Preis nicht verheimlichen, wie viel gemeinsames Schaffen in diesem wunderbaren Theaternachmittag steckt.
Dieses gemeinsame Schaffen lässt sich auch in der Aufführungssituation selbst beobachten, was wir die (Emphase) autopoietische Feedbackschleife Miriam nennen.
Miriam Während einer Aufführung entsteht zwischen den Schauspielenden und ihrem Publikum eine besondere, zirkulierende Energie.
In sich selbst fortsetzender, flüchtiger Manier reagieren sie fortwährend aufeinander und sorgen so für die Gemeinsinn stiftende Erfahrung des Aufführungserlebnisses.
Befinden sich im Publikum vor allem Kinder wird die Feedbackschleife, sofern gut gelenkt, deutlich spürbar und intensiviert den spontanen Theateraugenblick.
So veräußert sie sich in den noch unverfälschten und unmittelbaren, oft auch lauten Reaktionen junger Zuschauer*innen auf Gesehenes.
Im NEINhorn wird mit diesem Potential ebenso mühelos wie spielerisch umgegangen.
Entgegen einer ermahnenden Disziplinierung des Zuschauersaals werden die Kinder und auch die anwesenden Erwachsenen animiert und eingebunden.
Etablierte Zuschaupraktiken werden so, zur Freude aller, unverfänglich ins Schwanken gebracht.
So kann frisch und fantasievoll über Theater nachgedacht und neues Publikum erschlossen werden.
“Menschen mit Fantasie habens besser”, so heißt es in einer Aufführungsrezension, denn: “Die[se Menschen] können sich was vorstellen, sich wegträumen aus der Tristesse des Alltags.
Das machen die beiden Protagonisten Alina Valerie Weinert und Sebastian Degenhardt dann auch prompt.”, Eva-Marie so Manfred Koch, Redakteur der Erlanger Nachrichten.
Und genau diese Leidenschaft und Talent haben uns in eine Welt voller Fantasie und Magie entführt.
Beide Darsteller*innen haben mit ihrer Performance zweifelsohne Herzen berührt, Münder zum Lachen gebracht und Köpfe dazu animiert nachzudenken.
(Teaser) Und wenn euch mal die (Sch-)Langeweile plagen sollte, ein Vögelchen hat mir gezwitschert, dass es schon einen zweiten Teil geben soll, der von dem NEINhorn und seinen Abenteuern mit neuen Freund*innen erzählt und nur darauf wartet, in eine traumhaft schönen Inszenierung umgesetzt zu werden.
Eva-Marie und Miriam gemeinsam
VIELEN DANK!
Für die Jury
Eva-Maria Seidel und Miriam Sapio
05. November 2023
